Gesundheitssystem unter Druck: Jetzt sind mutige Reformen nötig - Thema der Woche
Viele Menschen, insbesondere ältere Bürgerinnen und Bürger, spüren die Probleme im österreichischen Gesundheitssystem schon seit Jahren. Es wird immer schwieriger, einen Hausarzt in Wohnortnähe zu finden, weil viele Ärztinnen und Ärzte in Pension gehen und keine Nachfolger finden. Termine bei Fachärzten sind oft erst nach langer Wartezeit verfügbar, und auch für notwendige Operationen müssen Patientinnen und Patienten häufig Monate warten. Gleichzeitig sind Spitalsambulanzen überfüllt und das Personal arbeitet vielfach an der Belastungsgrenze.
Rekordausgaben, aber nicht immer die gewünschten Ergebnisse
Dabei wird für das Gesundheitssystem so viel Geld ausgegeben wie nie zuvor. Laut einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) flossen im Jahr 2025 rund 50,5 Milliarden Euro in die Gesundheitsversorgung. Das entspricht fast 18 Prozent aller staatlichen Ausgaben. Mehr als die Hälfte davon wird für den Spitalsbereich verwendet. Trotz dieser hohen Investitionen liegt Österreich bei den Gesundheitskosten europaweit auf Platz sechs, bei den gesunden Lebensjahren jedoch nur im Mittelfeld.
Das Hauptproblem: Viel Geld versickert in komplizierten Strukturen. Die Finanzierung des Gesundheitswesens erfolgt über zahlreiche Stellen und Zuständigkeiten. Dadurch gehen Zeit, Geld und Effizienz verloren.
Ich habe bereits vor 20 Jahren auf diesen Missstand verwiesen – und immer wieder die „Finanzierung aus einer Hand“ angeregt. Nun, endlich, bin ich nicht mehr einsame Ruferin dafür. Immer mehr Fachleute und Politiker sprechen sich dafür aus.
Reformen sind angekündigt
Seit einem Jahr arbeitet die „Reformpartnerschaft Gesundheit“, bestehend aus Bund, Ländern, Sozialversicherung, Gemeindebund und Städtebund, an Vorschlägen für eine Neuausrichtung des Systems. Erste wesentliche Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.
Ob eine große Reform gelingt, ist offen. Kritiker befürchten, dass notwendige Veränderungen erneut an unterschiedlichen Interessen scheitern könnten. Immer wieder werden Reformvorschläge abgeblockt, weil einzelne Gruppen um ihren Einfluss oder bestehende Strukturen fürchten.
Kleine Schritte reichen nicht mehr aus
Der Rechnungshof hat deshalb kürzlich 15 Vorschläge vorgelegt, wie das Gesundheitssystem bis 2040 zukunftssicher gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei eine bessere Versorgung der Bevölkerung, mehr Effizienz und ein gezielter Einsatz der vorhandenen finanziellen Mittel.
Für die Menschen ist entscheidend, dass medizinische Hilfe rasch verfügbar ist, unabhängig vom Wohnort oder Einkommen. Gerade ältere Menschen sind auf ein gut funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen. Deshalb ist jetzt Reformmut nötig. Kleine Korrekturen werden nicht ausreichen. Gefragt sind klare Zuständigkeiten, weniger Bürokratie und eine konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.
Die Herausforderungen sind groß. Umso wichtiger ist es, dass die Verantwortlichen rasch handeln!
Ihre Ingrid Korosec


